Am Freitagmorgen um 4:30 Uhr startet unser Bus in Großenhain und sammelt über Reinersdorf und Ebersbach 15 Sänger und 24 Gäste ein.
Mit 39 erwartungsfreudigen Passagieren und dem Busfahrer Herrn Weiß von der Firma Weigt geht die Konzertreise um 5:30 Uhr ab Ebersbach los. Leichter Regen begrüßt uns allerdings nur zu Beginn der Reise. Wir fahren über Bahratal nach Tschechien, dann über Prag auf die holprige Autobahn nach Bratislava.
Tibor, unser ungarischer Sängerfreund, aktives Mitglied im Männerchor erzählt uns einige wichtige organisatorische Dinge über die bevorstehenden Tage in Kecskemét. Erstaunlich ist sein umfangreiches geschichtliches Wissen, womit er uns hervorragend auf die kommenden Tage in Ungarn einstimmt.

Zwischen Frühstücksbrot, Kaffee und Mittagswürstchen entbrennen angeregte Gespräche und eine vorfreudige Stimmung.
Uns begleiten bis zur Slowakei Bewölkung und leichter Regen. Jedoch in Ungarn scheint die Sonne, 33°C.

Der Grenzaufenthalt zur Mautzahlung und zäher Verkehr an einigen Baustellen in Ungarn verursachen unsere Verspätung.
Müde, verschwitzt, hungrig und vor allem durstig kommen wir über einen nicht endenden wollenden Waldweg gegen 18:30 Uhr endlich in unserem Waldquartier „Vackor Vàr“ an.

Uns empfängt eine einsam romantisch gelegene Forstschule mit einfachen, sauberen Zimmern.

Die Sänger eilen zur Probe, die in zwei Teilen bis 22:00 Uhr geht.
Das Kammerorchester wartet bereits.

Chorleiter Stefan Jänke ist glücklich, dass die für die Bedürfnisse und die Teilnehmer komponierte Musik zur Messe no. 5 von Charles Gounod so gut harmoniert.

Natürlich muss noch am Zusammenklang gefeilt werden.
Die Gäste genießen das frische Wasser unter der Dusche, erkunden die Gegend und warten sehnsüchtig auf das Abendessen. Tibor kündigt originale ungarische Gulaschsuppe an.

Wasser, kühles Bier und Wein beleben unsere Sinne.
Die Gulaschsuppe ist hervorragend und trefflich gewürzt. Während die Sänger nochmals proben, unterhalten Ulrike Scholz und Carmen Körner-Rußig die Gäste mit den Akkordeons.

In fröhlicher Stimmung bei Wein und Gesang klingt der Abend aus. Unser Freund Ernö Nemeth, Reporter vom GONG-Radio der Stadt Kecskemét, spendiert vier Kästen köstliches Feierabendbier. Zu später Stunde hat auch unser OB Müller mit Gattin dieses Ziel erreicht.

Das „Navi“ zeigt diese Örtlichkeit leider nicht an. Es gibt eine sehr herzliche Begrüßung.
Heute ist Stephanstag – der Nationalfeiertag in Ungarn und eine Welturaufführung
Nach einer kurzen Nacht klingelt halb sechs der Wecker, nachdem der Hahn den Morgen bereits um halb fünf angekündigt hat.
Flugs geht es unter die Dusche und zum typisch südländisch verspäteten Frühstück. Um viertel acht fährt uns der Bus nach Ásotthalom, dem Geburtsdorf von Tibor Berta.

Nach einer kurzen Generalprobe beginnt um 10:00 Uhr die „Heilige Messe“ in der katholischen Kirche „HERZ JESU“. Die vom Chorleiter Stefan Jänke komponierte „Messe no. 5 aux séminaires“ von Charles Gounod (1818-1893) für Kammerorchester erklingt als Weltpremiere zum ersten Mal in diesem Gottesdienst. Der Männerchor singt sehr schön im Einklang mit den Musikern.

Leider verstehen wir die ungarische Predigt nicht und auch die Gebete können wir nicht mitsprechen. In den Reihen des Chores verstärkt ein Gastsänger den I. Bass. Es ist der ungarische Chorleiter vom Gymnasium und Sangesfreund ZSOLT JÁMBOR.
Das private Museum wurde von unserer Gastgeberin, Marika Nyerges, zusammengetragen und gepflegt. Es war ursprünglich ein Bauernhaus vor ca. 100 Jahren erbaut. In allen Räumen waren Utensilien sortiert aus alter Zeit zusammengetragen. Gern hat die Gemeinde alles übernommen. Jetzt ergänzt das Museum seit 2010 ein Projekt der EU und der ungarischen Regierung, ein tolles Gemeinschaftshaus.

In diesen Räumen schmeckt uns das Mittagessen sehr gut. Es gibt Pörkölt, bestehend aus Rindfleisch in einem würzigen Sud und alles unter offenem Feuer in einem Kessel bereitet. Es ist sehr warm (32°C).

Nach einer kleinen Festrede vom Bürgermeister des Ortes und der Erwiderung von Siegfried Behla kommt es am Schluss zum Austausch von Geschenken. Mit netten Gesprächen geht es zurück in den Dorfkern von Ásotthalom. Uns wird eine überwältigende Gastfreundschaft zuteil.

Währenddessen der Chor probt, genießen die Gäste eine Erfrischung im kühlen Nass des Stadtbades im Schatten großer Bäume.
Die Festveranstaltung zum Nationalfeiertag beginnt 16:00 Uhr mit Festansprachen eines Staatssekretärs, vom ungarischen Parlament und dem Bürgermeister Dr. Ferenc Petró sowie weiteren Rednern und Rednerinnen.

Eröffnet wird alles mit der ungarischen Hymne, vorgetragen vom Gemischten Chor Ásotthalom und unserem Männerchor zum Erstaunen der Zuhörer, natürlich alles in einheimischer uns unverständlicher Sprache. Leider. Später im Bus übersetzt uns Tibor die wesentlichen Inhalte. Der Staatssekretär hat u.a. gesagt: „Für uns Ungarn ist es eine große Ehre, wenn ein deutscher Chor unsere Hymne singt.“

Der Männerchor singt mit Begleitung deutsche, ungarische und englische Stücke. Leider verrauscht der starke Wind den Gesang. - Nach eineinhalbstündiger Busfahrt mit interessanten geschichtlichen Ausführungen von Tibor kommen wir im Hotel „Palma“ in Kecskemét an.
Nach willkommener Erfrischung geht´s zum Straßenfest zu Ehren des Heiligen Stephans. Die gesamte Stadt ist anscheinend auf den Beinen.

Wir lassen uns das Abendessen schmecken und erleben ein spektakuläres Feuerwerk.
Jeder lässt den Abend individuell ausklingen.
Die Kirchturmuhr weckt uns pünktlich um 6:00 Uhr. Nach dem Frühstück fahren wir 7.45 Uhr nach Kalocsa zur „Heiligen Messe“ in die Klosterkirche „Zárda“. Tibor erzählt uns im Bus die historischen Ereignisse der Stadt und deren Entwicklung.

Die Messe in der Kirche zu Kalocsa verläuft wunderschön mit der Musik vom Männerchor und dem kleinen Kammerorchester der Musikschule „M. Bodon Pál“. Eine hervorragende Akustik verhilft zu einem Klanggenuss erster Güte.

Stefan Jänke erklärt später im Bus:„Ich weiß nichts auszusetzen, aber…..“. Als am Schluss des Gottesdienstes traditionell die ungarische Hymne erklingt, singen wir natürliche sehr kräftig mit. Der Kantor Vilmos Leányfalusi macht ein Zwischenspiel und wir trauen unseren Ohren nicht es erklingt unsere deutsche Nationalhymne „Einigkeit Recht und Freiheit....“. Viele sind emotional so angerührt, dass Tränen der Freude fließen und die Kehlen wie zugeschnürt sind. Unser OB Müller mit seiner Gattin kann alles live miterleben.

In einer schönen Csárda an der Donau speisen wir zu Mittag, der Chor singt noch ein Lied und zurück geht´s nach Kalocsa. Wer Lust hat, besucht das Paprikamuseum der Stadt, die Erzbischöfliche Schatzkammer und die tolle Bibliothek des Erzbistums. Es sind gefühlte 34°C im Schatten. Der Bus fährt um 15:00 Uhr zurück nach Kecskemét.


Wir haben eine halbe Stunde, um uns im Eilzugtempo zu duschen und umzuziehen. Anschließend geht die Fahrt zur Musikschule „M.-Bodon-Pal“ in der Stadt, wo ein gemeinsames Konzert mit den Musikschülern geplant ist. Nach wiederum einer gemeinsamen Probe beginnt das Konzert um 18:00 Uhr.

Es wird mit einer Begrüßung eröffnet. Der Direktor der Musikschule „M. Bodon Pál“ Herr József Palotás würdigt mit anerkennenden herzlichen Worten das Konzert. Er empfindet diese Partnerschaft als einen Segen für beide Seiten. Es erklingt ein zauberhafter Mix aus modernen, weltlichen und geistlichen Stücken. Gemeinsam mit dem Kammermusikorchester, der Sängerin Antónia Horváth und dem Pianisten Gábor Nagysolymosi singt der Männerchor in einer wunderbaren Art und Weise und zum Schluss nochmals die Messe Nr. 5 von Charles Gounod. Wir Zuhörer sind sehr stolz auf unseren Chor.

Vor Beginn der Messe überrascht der Männerchor vier uns vertraute ungarische Freunde. Der Vorsitzende Siegfried Behla überreicht jedem eine Urkunde in dem die Ehrenmitgliedschaft im Männerchor Großenhain-Reinersdorf angetragen wird. Unterzeichner sind der Vorsitzende Siegfried Behla und OB Burkhard Müller.
Ehrenmitglieder sind:
Künstlerin und Sängerin Frau ANTÓNIA HORVÁTH
Pianist und Komponist Herr GÁBOR NAGYSOLYMSI
Musikpädagoge und Musiker Herr PÁL MOLNÁR
Chorleiter und Sangesfreund Herr ZSOLT JÁMBOR
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Die Urkunden werden überreicht als Dank und Anerkennung für den aktiven Einsatz und die Bemühungen um die Kulturpartnerschaft zwischen den Städten Grossenhain/ Sachsen und Kecskemét. Alle nehmen diese Mitgliedschaft voller Freude an.
Total verschwitzt und durstig jedoch überaus hoch zufrieden mit dem Konzert fahren wir zum gemeinsamen Abend in eine Besenwirtschaft nach Hetényháza. Die Gastgeber bauen auf 12 Hektar Wein an und wir dürfen die-sen phantastischen in Wein in sechs Sorten verkosten. Als kräftige Grundlage gibt es deftige Spezialitäten vom Grill.

Musikalisch wird der Abend durch unsere Akkordeonisten Ulrike Scholz und Carmen Körner-Rußig gestaltet. Dazu gesellt in wunderbarer Weise unser Freund Pál Molnár mit seiner Tárogató, einem typischen ungarischen Holzblasinstrument.

Es erklingen Volks-, Stimmungs- und Trinklieder bis hin zum Shanty, wozu der Männerchor und die Gäste begeistert mitsingen. Entspannt und in ausgelassener Stimmung fährt uns der Bus gegen 23:55 Uhr (Durchblick vorhanden) zum Hotel zurück.
Heute dürfen wir ausschlafen. Der Besuch der Leskowszky Musikinstrumentensammlung ist um 9:00 Uhr geplant. Interessante historische Zupf-, Blas- und Schlaginstrumente aus verschiedenen Ländern erwarten uns.

Die Künstler dieser Sammlung, Áron und Péter, überraschen uns mit der Vorführung der unterschiedlichsten auch exotischsten Musikinstrumente. So lebt dieses Museum von den Klängen und verleiht den Zuhörern einen besonderen Genuss, aber auch Anreiz, um mitzutun. Es war ein ganz besonderes Erlebnis.
Jeder bummelt dann nach eigener Lust und Laune durch Kecskemét.

Wir treffen uns gegen 13:00 Uhr zum Besuch der „Mercedes-Benz“- Schule, die in Kooperation mit einer ungarischen Kunstschule arbeitet und ein SOS-Kinderdorf. Interessante Gespräche entwickelen sich. Es ist eine schöne Erfahrung, wie viel diese Stadt für ihre Kinder tut und dass es Menschen gibt, die diese guten Gedanken leben.

Um 17:00 Uhr findet die festliche Abgeordnetenveranstaltung zur offiziellen Eröffnung des 77. Hírös Hét Fesztivál im Rathaus statt.

Gemeinsam mit H.A.N.G Duo, Antónia und Gábor soll der Männerchor das Fest eröffnen.
Wir singen „Viele verachten die edele Musik“ und die eingeübten ungarischen Lieder „Háros Felöl“ und Hej Dunárol fúj a szél“.

Der ehrwürdige Rathaussaal ist gefüllt mit den prominenten Bürgern dieser Stadt. Es ist für den Chor das bisher größte Publikum. Auch das Gebietsfernsehen Kecskemét-TV ist dabei. Alles hat sehr gut geklappt. Mit lang anhaltendem Beifall für ein Dakapo wird die hervorragende Chorarbeit gewürdigt. Die Bürger von Kecskemét glauben wegen der guten phonetischen Umsetzung, dass wir ein Chor der deutschen Minderheit aus Baja an der Donau sind, der seine Kunst mit einem deutschem Lied vorstellen wolle. Später stellt sich der Irrtum zum Erstaunen heraus, denn unsere Vorträge sind zur Überraschung unserer Gastgeber verblüffend gut.
Den letzten Abend gestaltet jeder nach eigenem Geschmack mit Abendessen und netten Gesprächen. Da unser OB Müller vorzeitig aus dienstlichen Gründen abreisen muss, haben der Stadtrat Siegfried Behla und der Großenhainer Sangesfreund und ungarische Landsmann Tibor Berta, gemeinsam mit den Ehepartnern die Ehre, auf schriftlicher Einladung die Stadt Großenhain zur Eröffnung vor der Hauptbühne zu vertreten. Sie tuen das in der Chorkleidung und sind so überall von jedem zu erkennen. Sie berichteten am nächsten Morgen, dass es beim Empfang des OB der Stadt Kecskemét, Herrn Dr. Gábor Zombor, im Museum der „Bozsó-Sammlung“ herzliche Begegnungen und gute Gespräche gegeben hat. „Wir hatten das Gefühl, gute Bekannte zu sein“, sagte Siegfried.
Pünktlich um 5:00 Uhr fährt der Bus in Kecskemét ab in Richtung Heimat. Bei sehr heißen Temperaturen geht es ohne große Unterbrechung nach Hause. Um 17:00 Uhr treffen wir in Reinersdorf ein.

Hier überraschen Chor und alle seine Gäste das völlig verblüffte Silberhochzeitspaar Jutta und Michael Vetter mit einem Ständchen und herzlicher Gratulation. Es war eine gelungene Konzertreise mit vielen interessanten Erlebnissen und netten, herzlichen Begegnungen. Der größte Dank gilt unserem lieben Tibor Berta für die Organisation und die Reiseleitung. Wir haben uns in seinem Heimatland sehr wohl und herzlich aufgenommen gefühlt.