Konzertreise zur Partnerstadt Kecskemét

Sächsische Zeitung
Mittwoch, 20. Dezember 2006

Gastsänger begeistern die Ungarn
Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Partnerschaft. Der Männerchor Großenhain- Reinersdorf besuchte Kecskemét und gab drei Konzerte mit jungen ungarischen Musikern.

Der Rathaus-Festsaal in Kecskemét ist eine Augenweide. In diesem herrlichen Jugendstil-Gewölbe, das dem Inneren einer Kirche gleicht, empfängt Amtsleiterin Katalin Peredi die 44-köpfige deutsche Delegation. Der Großenhain-Reinersdorfer Männerchor und einige Begleiter sind die erste größere Gruppe, die die ungarische Partnerstadt besucht. Und mehr noch. Anlass der Reise ist ein Konzertprojekt des Chores mit neun Jugendlichen der Kecskeméter Musikschule. „Singen schlägt Brücken“ haben die Großenhainer es überschrieben. Mit Weihnachtsliedern wollen sie nicht nur besinnliche Adventsstimmung nach Ungarn bringen. Sondern auch die Städtepartnerschaft auf der Ebene der Einwohner beleben.

Reichhaltiges Musikleben

Das kleine Großenhain hat dabei ein starkes Gegenüber. Kecskemét trägt den Titel Stadt der ungarischen Kultur, erfährt der Männerchor. „Hier gibt es ein vielfältiges Gesangsleben, die Messlatte hängt hoch“, ist sich Chorleiter Stefan Jänke bewusst. In den zahlreichen Proben vor den drei Auftritten versucht er die Herren in den weinroten Anzügen zu einem starken Auftritt zu bringen. Die Anstrengungen werden sich tatsächlich lohnen.

Auch das Zusammenspiel mit den sieben Mädchen und zwei Jungs aus der Kecskeméter Musikschule klappt hervorragend. Die Ungarn haben die Begleitung des Chores bisher nur nach Noten geübt. Erst jetzt kann sich zeigen, wie gut die 14- bis 19-jährigen Instrumentalisten und die Sänger, die im Alter der Väter oder Großväter sind, miteinander harmonieren. Gemeinsam werden deutsche und internationale Weihnachtslieder vorgetragen. Mit zwei englischsprachigen Titeln zeigt sich der Chor auch beschwingt-modern. Einen Patzer gibt es nur am Anfang des ersten Konzertes. Da hat Viktoria, die erste Geige, ihre Noten verlegt. Zum Glück findet man sie kurze Zeit später wieder. Die Konzerte werden – trotz zahlreicher anderer Veranstaltungen – von den Medien beachtet. Sowohl der Auftritt in der Synagoge von Boja, gut 100 Kilometer weg von Kecskemét, als auch die Konzerte in der Partnerstadt selbst werden vom jeweiligen regionalen Fernsehen mitgeschnitten. Der Sender Gong-Radio warb mehrfach für die Großenhainer. Redakteur Ernö Nemeth bittet Chorchef Siegfried Behla sowie Sänger und Übersetzer Tibor Berta sogar zu einem Live-Interview. Nemeth, ein Deutschungar, ist einer der Gründerväter der Städtepartnerschaft. „Drei Mal war ich schon in Großenhain, meine Tochter kommt gern zur Kinderspielstadt“, sagt der Kecskeméter.

Kulturelles Miteinander

Siegfried Behla erzählt, warum ihm die kulturelle Diplomatie neben den wirtschaftlichen Kontakten wichtig ist. Weil sich die Menschen dabei näher kommen. Er hat eine Einladung von Bürgermeister Müller an die Ungarn zum Stadtfest im nächsten Jahr mitgebracht. Außerdem werden die Musikschüler nach Deutschland eingeladen, um im Advent 2007 die Konzerte im Raum Großenhain zu wiederholen. „Auch unsere Musikschule hat Interesse an Kontakten“, so Behla.

Damit der Gegenbesuch gelingt, bittet der Männerchor bei seinen Auftritten statt eines Eintritts um Spenden. Mehr als umgerechnet 200 Euro kommen zusammen. Die Hälfte geht an die Kinderkrebshilfe von Kecskemét, die Gelder braucht.

Die Reise der Großenhainer wäre nicht so erfolgreich verlaufen, hätte die ungarische Minderheit in und um Kecskemét sich nicht so eifrig darum bemüht. Ihre Zahl beträgt zirka 40000 Menschen bei 110000 Kecskeméter Einwohnern. Die deutsche Selbstverwaltung organisierte den Auftritt in Boja und den anschließenden Empfang in einem ungarndeutschen Bildungszentrum. Auch an der Weihnachtsfeier der Minderheit darf die Großenhainer Delegation teilnehmen. Bei ungarischem Wein kommt man schnell ins Gespräch. Und die angestimmten Volksweisen singen die Ungarndeutschen gern mit.

Überhaupt kommen viele herzliche Kontakte zustande. Stollen als Gastgeschenke werden dankbar entgegen genommen. Vertreter der Stadtverwaltung besuchen die Konzerte und laden am letzten Abend zu einem Essen ein. Dank der Vermittlung von Ernö Nemeth nimmt sich sogar der neugewählte Kecskeméter Bürgermeister Dr. Gabor Zombor Zeit für ein Gespräch. Musikschuldirektor Josef Polotasch ist stolz auf die Leistungen seiner Schüler, obwohl er anfangs an der Machbarkeit des Konzertprojektes zweifelte. Mit vielen Eindrücken kehrten die Großenhainer zurück. Es gibt bestimmt ein Wiedersehen.

Gemeinsam mit Jugendlichen der Kecskeméter Musikschule gestaltete der Männerchor Großenhain-Reinersdorf drei Konzerte in Ungarn. Auch ein ungarisches Weihnachtslied wurde einstudiert. Oben rechts: Auch Kecskemét hatte seine Husaren. Unten: Engel bei der Weihnachtsfeier der Ungarndeutschen.Fotos: Krüger-M.